Ausstellungen

Im Rahmen von Wechselausstellungen werden, in enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Künstler*innen, bis zu vier Ausstellungen im Jahr gezeigt, die Zeichnungen, Druck, Buch- und Plakatkunst sowie Fotografie und Video präsentieren. Ausstellungen einzelner Künstler*innen gehören ebenso zum Konzept wie umfangreiche Gruppenausstellungen unterschiedlicher Arbeitsansätze.
Den Auftakt macht eine umfassende Einzelausstellung der New Yorker Künstlerin Roni Horn, gefolgt von einer Gruppenausstellung zum Thema »Modell Tier«. Beide Ausstellungen werden von Ute Eskildsen kuratiert. Danach werden in einer Doppelausstellung die unterschiedlichen Werke der südafrikanischen Künstler Banele Khoza (*1994) und Santu Mofokeng (1956–2020) gezeigt, kuratiert von Joshua Chuang. Der Göttinger Life-Science-Konzern Sartorius schenkt den Besuchern in den ersten fünf Jahren den Eintritt für alle Ausstellungen des Kunsthauses.

Testläufe” und “In Between”-Präsentationen

Kontinuierlich werden zwischen größeren Ausstellungen kurze Präsentationen - Testläufe” oder “In Between” gezeigt. 

Die “Testläufe” geben Künstler*innen und Fotograf*innen die Chance, Präsentationsformen für ihre Arbeit zu erproben: Gerahmt oder an die Wand gepinnt, projiziert oder auf Tischen präsentiert, in Alben, Büchern oder kombiniert oder vielleicht etwas ganz anderes? Die Idee dabei ist, den persönlichen Austausch zwischen Künstler*innen und Publikum zu ermöglichen. Der öffentliche Zugang zu solchen Arbeitsprozessen gestattet gleichzeitig einen Blick hinter die Kulissen.  

“In Between” bietet den Besucher*innen Kunstgenuss auch zwischen den großen, umfassenden Ausstellungen. Zu diesem Zweck werden im Kabinettraum des Kunsthauses kleine Präsentationen kuratiert.

Roni Horn

Buch – Zeichnung – Fotografie

4

.

June

-

8

.

August

2021

Einzelaustellung

Roni Horn (*1955 in New York) studierte an der Rhode Island School of Design und an der Yale University. Ein Reisestipendium ermöglichte ihr einen mehrmonatigen Aufenthalt in Island, der ihr künstlerisches Schaffen seither prägt. Horn lebt und arbeitet heute in New York und Island, ihre Arbeiten wurden in umfangreichen Ausstellungen international präsentiert und befinden sich in einigen der namhaftesten Museen der Welt. Roni Horn entwickelt stets äußerst innovative und hoch poetische Arbeiten. Sie kreisen z.B. um die Wandlungsfähigkeit von Identitäten, die Instabilität von Ort und Zeit, von Formen und Sprache.In allen Arbeiten sind Worte, Sätze oder auch Titel einbezogen – Sprache und Literaturbezüge sind ein wesentlicher Aspekt des Werkes. 

Die Ausstellung im Kunsthaus Göttingen gibt in einer umfassenden Einzelausstellung einen Einblick in ihr vielfältiges künstlerisches Schaffen. Auf drei Ebenen werden exemplarisch für den Fokus des Hauses - Arbeiten auf Papier - Fotografien, Zeichnungen und Buchkunst aus Horns Œuvre gezeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themenkomplexe “Wetter und Wasser”, “Bewusstsein und Wahrnehmung”, sowie das Verhältnis zwischen Sinnlichkeit und Sprache. 

Bernd Pfarr - Sondermann

Illustrationen

13

.

August

-

12

.

September

2021

Testlauf / In Between

IN BETWEEN ist ein Programm des Kunsthauses Göttingen, das zwischen zwei großenAusstellungen kleineren Projekten Raum gibt. Dies können sehr unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler im Rahmen unserer Programmatik sein.

Mit Bernd Pfarr (1958 - 2004) stellen wir in unserem 1. INBETWEEN einen großen Illustrator vor. Mit dem vermeintlich unscheinbaren Buchhalter SONDERMANN schuf er eine der wohldenkwürdigsten deutschen Comicfiguren. Erstmals 1987 erschienen Bernd Pfarrs Sondermann-Zeichnungen in der Satirezeitschrift „Titanic“. Das Kunsthaus gibt im Erdgeschoss mit etwa 50 Illustrationen humoristische Einblicke in das absurde Universum des Buchhalters, reproduziert aus dem Buch „Sondermann“, welches von der Witwe des Künstlers Gabriele Pfarr-Roth herausgegeben wurde.

Modell Tier

Fotografie – Projektion – Illustration

24

.

September

-

2

.

January

2022

Gruppenausstellung

Das Tier, immer schon ohne Recht auf das eigene Bild, nomadisiert ungeachtet der individuellen Intention der Darstellung vielfach als Sujet durch alle Bereiche der visuellen Kommunikation, Wissenschaft und Kunst. Die Künstler*innen Wolf Erlbruch (Deutschland), Roni Horn (USA), Sanna Kannisto (Finnland), Jo Longhurst (Großbritannien), Olivier Richon (Schweiz), Michal Rovner (Israel), Thomas Struth (Deutschland) und Tomasz Gudzowaty (Polen) befragen und hinterfragen in ihren Werken die wechselseitige Beziehung zwischen Tier und Mensch – Dargestelltem und Darstellendem. Die Konzepte der Künstler*innen in dieser bunten und artenreichen Gruppenausstellung verweisen dabei auf unterschiedliche Interessen und Vorgehensweisen. Bilder eines »Luchsprojekts« von Naturschutzbiologen der Georg-August-Universität Göttingen bildet einen spannenden wissenschaftlichen Gegenpol zu den künstlerischen Arbeiten und konzentrieren sich auf Erfassung und Erkenntnis. Gezeigt werden Videos, Fotografien, Bücher, Zeichnungen und Installationen.

Banele Khoza / Santu Mofokeng

18

.

February

-

1

.

May

2022

Doppelausstellung

Die Kunst Südafrikas unterliegt in den letzten Jahrzehnten einem starken Wandel. Bedingt durch das autoritäre Apartheids-Regime, das bis Anfang der 1990er Jahre das Land beherrschte, waren die künstlerische Freiheit und das Schaffen insbesondere schwarzer Künstler*innen lange unterdrückt. Politische und soziale Aspekte lagen im Fokus derjenigen Künstler*innen, die die Apartheid verurteilten. Seit den 1990ern erlebt die jüngere Generation einen Aufbruch und widmet sich neuen Themen, wie z.B. der Hinterfragung von Identität und Rollenbildern. In dieser Doppelausstellung werden einige der unterschiedlichen Facetten südafrikanischer Kunst anhand der Werke von Banele Khoza und Santu Mofokeng präsentiert.

Santu Mofokeng
Stories / Fotografie

Der 1956 in Südafrika geborene und 2020 verstorbene Fotokünstler widmete sich seit Mitte der 1980er Jahre der Dokumentation von Geschichten, die sich am Rande seines Landes entfaltet haben: dem Leben von Familien, Farmpächtern und Arbeitern in den Townships – Wohnsiedlungen für die »schwarze Bevölkerung«. Im Gegensatz zu den aufsehenerregenden Bildern von Propaganda, Gewalt und Ungleichheit bauen Mofokengs Fotografien ein Verständnis des Alltaglebens während und nach der Apartheid betont indirekt und zurückhaltend auf. Als einem der wenigen schwarzen Fotografen, die in dem turbulenten Jahrzehnt vor dem Ende der Apartheid aktiv waren, war es Santu Mofokeng möglich, die peripheren südafrikanischen Gemeinschaften hautnah und von innen heraus zu beobachten. »Stories« ist die erste Ausstellung in Deutschland, die einen vollständigen Bogen über Mofokengs drei Jahrzehnte lange Karriere spannt: Von seinen ersten Bildern von Arbeiterstreiks, politischen Kundgebungen und religiösen Ritualen, die spontan im Pendelzug zwischen Soweto und Johannesburg aufgeführt wurden, bis hin zu seinen einzigartigen Aufnahmen vom Leben auf den Straßen, von Häusern und Shebeens (illegalen Trinkhallen) in Townships wie Bloemhof und Dukathole. Daneben wird Mofokengs gefeierte Diaschau »The Black Photo Album / Look at Me: 1890–1950« zu sehen sein.

Banele Khoza and Company
In Pursuit of... / Grafik

Das komplexe Innenleben romantischen Begehrens und die Erweiterung des Begriffs von Männlichkeit sind Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung von Banele Khoza. Der 1994 in Swaziland geborene Künstler arbeitet heute in Johannesburg und hat dort 2018 das BKhz gegründet – einen Zusammenschluss von offenem Atelier, Projektraum und Galerie –, in dem neben ihm auch andere Künstler*innen seiner Generation wirken. Arbeiten auf Papier in verwaschenen, bunten oder düsteren Farben prägen Khozas figürliche bis abstrakte Bildsprache. Die Figuren in seinen Arbeiten spiegeln nicht nur die Sehnsüchte des Künstlers wider, sondern markieren eine Suche nach zwischenmenschlicher Präsenz und Intimität in einer Zeit, die zunehmend von sozialen Medien geprägt iie im Kunsthaus Göttingen gezeigte Ausstellung ist die erste Bestandsaufnahme von Khozas Arbeiten, die in einem Ausstellungshaus außerhalb des afrikanischen Kontinents gezeigt wird. Sie integriert zusätzlich auch Arbeiten anderer Künstler*innen, die bisher im BKhz ausgestellt wurden und gibt damit einen Einblick in die junge Generation der südafrikanischen Kunstszene.

Sebastian Stumpf

.

-

.

Einzelaustellung

Der Künstler Sebastian Stumpf (*1980) begleitete die Bauarbeiten am Kunsthaus Göttingen aus künstlerischer Perspektive und schuf dabei Videoarbeiten zur Entstehung. Diese werden zur Eröffnung vorgestellt und während des ersten Ausstellungsjahres dauerhaft zu sehen sein.

Sebastian Stumpf studierte Malerei, Grafik und Objektkunst an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Rolf-Gunter Dienst, bevor er sich 2002 den technischen Medien zuwandte. Sein zentrales Interesse gilt dem öffentlichen Raum, der Urbanität, aber auch den Dimensionen des Innenraums. Stumpfs Werk bewegt sich dabei zwischen den Medien Fotografie und Video. Das abbildhafte Registrieren von Architektur und Orten wird durch die Einbeziehung des eigenen Körpers und die stetigen Wiederholungen gleicher Bewegungen, in experimentell – spielerischer Weise gestört. Wiederholt wird eine Handlung, die in vergleichbaren, aber unterschiedlichen Orten vorgenommen wird. Er vollzieht dabei z.B. immer den gleichen Sprung, die gleiche Geste oder verharrt in gleicher Körperstarre im unterschiedlichen Ambiente. Mit der Intervention seines Körpers in urbanen Situationen evoziert der Künstler Fragen nach unserer Aufmerksamkeit und unserem Verhalten, in aktuellen Lebensräumen.

Vom Buch an die Wand

Druckbögen – Buch – Videos

15

.

December

-

15

.

May

2021

Testlauf / In Between

”Testläufe” und “In Between”-Präsentationen

”Vom Buch an die Wand / From Book to Wall” erzählt die Geschichte des Drucks von Gilles Peress’ langerwartetem Buch über den Nordirland-Konflikt Whatever You Say, Say Nothing. Druckbögen, Buchdummies, Proofs und Videos – das Rohmaterial des Büchermachens – geben Einblick in den inneren Prozess dieser Arbeit. Schon 2003 hatte Peress mit Gerhard Steidl über die Idee zu Whatever You Say, Say Nothing gesprochen. In den folgenden Jahren nahm das Buch in enger Zusammenarbeit mit dem Steidl Verlag allmählich Gestalt an und wird nun 2021 veröffentlicht. Hintergrund des Buches ist das Massaker, das die Britische Armee 1972 an irischen Zivilisten verübte. Gilles Peress (*1946 in NeuillysurSeine), gerade 26 Jahre alt, fotografierte diesen sogenannten “Bloody Sunday”. In den 1980er Jahren kehrte Peress nach Nordirland zurück, entschlossen, die Möglichkeiten der visuellen Sprache und Wahrnehmung auszuschöpfen, um diesen unlösbaren und immer weiter eskalierenden Konflikt zu begreifen. Whatever You Say, Say Nothing versteht sich als “dokumentarische Fiktion”. Fotografien aus mehreren Jahrzehnten werden 22 fiktionalen “Tagen” zugeordnet, um die Spirale, zu der Geschichte während eines scheinbar nie endenden Konflikts wird, zu verdeutlichen – wenn jeder Tag zu einer Wiederholung des immer gleichen Tages wird: Tage voller Gewalt, Demonstrationen, Aufstände, Arbeitslosigkeit, Trauer, aber auch voller “craic” (ein irischer Begriff für Freude und Spaß), wo man versucht, die eigene Situation einfach zu vergessen. Gilles Peress hat das Projekt dreißig Jahre unter Verschluss gehalten – der Testlauf gibt somit erste spannende Einblicke in die damals entstandenden Fotografien und das Buchprojekt.